Das Buch ist angekommen. Bestellt habe ich es bei exsila.ch, eine Büchertauschbörse, wo man seine benutzte Literatur zum Verkauf einstellen kann und natürlich auch benutzte papyri bestellen kann. In der Regel sind die Bücher in einem guten Zustand, haben also zwei Buchdeckel wie jedes andere Buch auch und man liest sie, wie gewohnt, von links nach rechts.
Mir ist klar, dass ich mich vor dieser Sissifuss-Arbeit nicht zurückschrecken kann. Dieses Örtchen im WWW hat genug Staub angesammelt, bereits hüfthoch (für die Eule eher so schnabelhoch, also atmen kann sie gerade noch, kriechen auch) und jetzt wo wieder ein Weg gebahnt ist vom WWW zu diesem kleinen, unbedeutenden Blog müssen wir uns auch um die paar wenigen Gäste kümmern.
Ich weiss gar nicht so recht, was mich mit diesem Buch erwartet. Eine befreundete Sprachwissenschafterin drohte mir, sie würde jeglichen Kontakt abbrechen, sollte ich es lesen.
Aber da der Eulenschutz ein hohes Gut ist – man will schliesslich nicht, das Geflügel nächtens aus Langeweile vom Baume fällt – konnte ich mit ihr räsonieren und so sie hat mir es erlaubt, mich diesen Feuchtgebieten zu widmen. Und letztlich ist die Eule selbst eine Sprachwissenschafterin. Einfach von der zweibeinigen Sorte mit mehr Gefiedersubstanz als Geistesverstand.
Was ist meine bisherige Erfahrung mit diesem Thema?
Natürlich werde ich das nicht so beantworten wie ihr das jetzt denkt.
Es geht nämlich darum, dass ich viel zu viel gelesen habe. Darum: Systematic Literature Review ftw!
Ich krame mit den Stichworten "Sex", "Sexualität", "Intimimimimität" und "Literatur" in meinem Gedächtnis und werte die gefundene Literatur aus. Vieles habe ich vor langer Zeit gelesen – darum ist mein Gedächtnis nicht so gerade auf der Höhe. Trotzdem - on y va!
"Angst", von Stefan Zweig: Ein faszinierender Kurzroman darüber, was für ein grausames Gefängnis die Unehrlichkeit bzw. dessen Verdecken sein kann. Die Frau in dieser Geschichte nimmt sich jede Möglichkeit, sich selbst zu befreien.
"Brennendes Geheimnis", auch vom Stefan Zweig. Da geht es eher um ein Kind, das die Ehrlichkeit seiner Mutter erwartet (und ja darauf vertrauen muss), und ihr Doppelspiel mit einem Mann, von dem aber das Kind weiss.
"Drop City", von T. Coraghessan Boyle: Da geht es schon mehr zur Sache. Und schildert ziemlich ausführlich das Scheitern einer Hippie-Gruppe, welche sehr viele Ideale verspricht, aber keines einlösen kann. In dieser Geschichte wird das Problem gestreift, dass die Einwohner von "Drop City" zwar keinen Besitz kennen wollen, aber umgekehrt auch dagegen sind, dass jede Frau dann allen Männern "gehört".
"The Dying Animal" von Philip Roth: Ein älterer Literaturprofessor verliebt sich in eine attraktive Studentin kubanischer Abstammung, und sie verliebt sich in ihn. Zwar profitieren beide voneinander – er kann sich wieder als Mann mit Lebenskraft fühlen, und sie profitiert von der grossen Lebenserfahrung des Professoren. Über lange Strecken sinniert der Professor über die sexuelle Befreiung während den 60ern und 70ern, aber benutzt seine Freundin eigentlich nur als Versuchsobjekt, um seine Freiheiten auch ausleben zu können - während sie sich darüber aufregt, dass sie nicht gemeinsam in ein Theater gehen können. Wie denn auch, er als Literaturkritiker mit einer eigenen Sendung, er, weit bekannt, er, mit einer Studentin zusammen?
"Sexus", von Arthur Miller: Ich habe es letztes Jahr angefangen, und dann fand ich, obwohl der Schreibstil faszinierend war – doch irgendwie langweilig. Ich sollte mir nochmal einen Ruck geben.
Es geht um einen abgewrackten Autoren, ohne jegliches Ziel im Leben, der in einem Schwall alle seine Eindrücke auf die Leser prasseln lässt. Er betäubt sich mit Alkohol und Sex, und ja, das Leben geht ja schon irgendwie weiter.
"Das sexuelle Leben der Catherine M.", von Catherine Millet: Das Buch habe ich mir schon lange vor diesem Blogprojekt angetan. Aber darüber erzähle ich lieber nichts. Sonst bekommt ihr noch eine falsche Vorstellung davon, wie ich die Flora und Fauna des Feuchtgebiets beschreiben werde.
Und so gehts los. In Teil II.
P.S.: Beisshölzer gegen Cliffhangergefühle sind bei TOM erhältlich. Einfach bei der Bestellung angeben, ob es ein Verbrenner oder ein Erdmöbel sein soll.

..das langweiligste Buch, das ich in der Hinsicht mal angefangen habe, waren diese "40 Tage von Sodom" o.ä., von de Sade..
AntwortenLöschen...du machst mir ja Hoffnungen...
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