Etwas peinlich war es mir ja schon, als ich im Kiosk die Abteilung mit den Groschenromanen suchen musste. Erstaunt über die eher kleine Auswahl, musste ich mich sogar bücken, um die Ausgaben gründlich zu studieren, und mich schweren Herzens für eine zu entscheiden.
Das Cover sieht bei allen gleich aus: Grundfarbe blau mit wichtigen Dingen in rot. Den Titel sucht man erst einmal, bis man ihn ganz unten klein findet. Die wuchtige Dr. Norden Überschrift ist viel wichtiger.
Bis auf die verschiedenen Bilder von stereotyp schönen Frauen und Männern sehen sich alle Ausgaben ziemlich ähnlich. Eine Zusammenfassung sucht man vergeblich, wohl weil eh schon die ganze Geschichte erzählt wäre damit. Auf der Suche nach einer Inhaltsangabe findet man jedoch massenhaft Werbung – unter anderem für eine Dr. Norden Kreuzfahrt.
Als Literaturstudentin war es mir wirklich unangenehm, so ein Stück Literatur zu kaufen (2.90 CHF übrigens). Ich hatte das bestechende Gefühl, auf meiner Stirn sei riesengross „PHILOLOGIN“ eintätowiert und jeder sähe nun, was ich für Schundromane lesen würde. Doch nicht mal die Verkäuferin schaute mich schräg an, trotz der Tatsache, dass ich wohl geschätzte 60 Jahre unter der durchschnittlichen Dr-Norden-Käuferin bin.
Nungut, das Ding zu lesen war dann das andere... Ich fahre viel Zug und nutze die Zeit gerne, um literarische Meisterwerke zu verschlingen. Damit war es nun zu Ende. Ich setzte mich ins allerletzte Abteil des Zuges und nahm beschämt meine Dr. Norden Ausgabe hervor. Glücklicherweise sah das niemand! Schnell den Umschlag umknicken und die ersten paar Seiten lesen, damit es nach einem normalen Magazin aussieht. Aber wem wollte ich etwas vormachen, man sah immer noch deutlich, dass es sich um einen Groschenroman handelte, und ich spürte all die Blicke auf mir ruhen, wann immer ich im Zug zu lesen begann.
Ich hab mich danach erstmal mit zwei wahren Werken der Literatur belohnt:
Hallgrímur Helgason – „10 ráð til að hættaað drepa fólk og byrja að vaska upp“ (Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen). Ein wunderbarer Autor und ein echter Lesetipp für alle, die gerne die etwas andere Literatur mögen.
Ursula Giger / Jürg Glauser – „Niemandstal: Junge Literatur aus Island“. Perfekt für alle, die Island erst seit dem Ausbruch des Eyjafjallajökull kennen, und seit der Frankfurter Buchmesse wissen, dass es da oben doch tatsächlich auch Literatur gibt. In Niemandstal sind Geschichten von 16 isländischen Autoren enthalten, was einen wunderbaren Überblick über die Literaturszene Islands gibt.
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